Gewerbe

Mellingen-Dorf Süd-Ost > Stetterstrasse

ca. 1940 Bauernbetrieb Ingold Stetterstrasse

Im Hintergrund Bauernbetrieb Ingold an der Stetterstrasse. Rechts Bauernhof Josef Peterhans.
Ansicht vermutlich aus den Kriegsjahren 1939 – 1945. In den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts und während des Zweiten Weltkrieges bewirtschaftete Familie Paul Steinmann als Pächter den abgebildeten Hof an der Stetterstrasse. In der Folge wurde die landwirtschaftliche Nutzung der Gebäulichkeiten aufgehoben. Im Wohnteil wurde die Wohnung vermietet und im landwirtschaftlichen Bereich entstanden Garagen, eine kleine Bauernmosterei und eine Pferdebox für den Tierarzt Dr. Schöchli.

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Dieser errichtete Ende der Zwanzigerjahre die präsentable Tierarztvilla an der Stetterstrasse 8, die in der Folge von Bezirkstierarzt Dr. Albin Frey bewohnt wurde. siehe 01030. Tierarzt Dr. Schöchli war eine legendäre Tierarztgestalt von altem Schrot und Korn, von kräftigem Wuchs und einer markanten Narbe auf der rechten Wange („Studentenschmiss“) vom Degenfechten in der Studentenzeit. Er besuchte seine grosse Bauernkundschaft in einem weiten Umkreis des öftern hoch zu Pferd. Der sportliche Tierarzt pflegte im Winter mit seinem Pferd die damals extravagante Skisportart „Skiöring“, die sehr bewundert wurde.

Im Jahre 1960 musste der ehemalige Landwirtschaftsbetrieb Ingold einer Neuüberbauung (Stetterstrasse Nr. 7) weichen, konzipiert von Architekt Jean Frey.


Bild-Nr.: 01052
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Otto Müller / Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1940

1955 Bauernhaus Josef Peterhans, Stetterstrasse Nr. 11

Dieser Hof hiess sicher seit dem 19. Jahrhundert Brandhof, weil dieses Anwesen von einer Familie Brand bewirtschaftet wurde. Die Familie Brand ist seit 1756 in Mellingen nachweisbar: Ein Jakob Brand wurde damals als Beisasse angenommen, d.h. er erhielt Wohnrecht in Mellingen, wurde aber nicht Bürger. Es spricht einiges dafür, dass auch er schon Landwirtschaft betrieb. Es ist aber kaum anzunehmen, dass dies schon auf dem Brandhof geschah, denn praktisch alle Ställe und Scheuen befanden sich bis 1800 innerhalb der Stadtmauern.

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Das hier abgebildete Gebäude dürfte aus dem 19. Jahrhundert stammen. Mit Leodegar Brand, einem Nachkommen Jakobs, schloss die Gemeinde 1846 einen Vertrag ab: Er wurde verpflichtet gegen eine Entschädigung einen Zuchtstier zu halten. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts stand der Zuchtstier immer im Brandhof; der damalige Hofbesitzer Josef Brand erhielt um die Jahrhundertwende einen Gemeindebeitrag von 100 Fr. Für die Geissenzucht hielt dieser auch einen Ziegenbock. Die Behörden drangen aber darauf, dass der Stier sein "Geschäft" nur in einem geschlossenen Raum stattfinde. Zweimal beglückte aber der Zuchtstier eine Kuh ausserhalb des Stalls, weshalb Josef Brand wegen dieser "öffentliche[n] Züchterei" einen scharfen Verweis von Seiten des Gemeinrats einstecken musste.
Zur Nachfolge auf dem Brandhof s. 01052.2

Literatur:
- Heinrich Zumstein, Mellingen 1700-1999, Mellingen 1988, S. 62-64, 111-112.
- Rainer Stöckli. Mellingen am Ende des 19. Jahrhunderts. Unterentfelden 1997, S.
12-13.


Bild-Nr.: 01052.1
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

1955

vor 1960 Liegenschaft Ingold, Stetterstrasse

An dessen Stelle entstand 1960 das Mehrfamilienhaus Stetterstrasse Nr. 9


s. auch Bild-Nr. 01051


Bild-Nr.: 01051.1
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1960

Bauernliegenschaft Karl Halter, Stetterstrasse, 1973

Neben der Landwirtschaft wurden von den Bewohnern dieses Hauses (erbaut 1908) und deren Vorfahren über 150 Jahre in vier Generationen Seile für die verschiedensten Zwecke in Handarbeit hergestellt. Als letzter dieser Dynastie fertigte Karl Halter (1911-1982) Seile an und hielt diese u.a. auf vielen Märkten feil.
Die Kunst des Seile-Herstellens hatte bereits Halters Urgrossvater Jakob beherrscht. Dieses Wissen wurde dann an Grossvater Ulrich, weiter an Vater August und schliesslich an Karl weitergegeben. Die Geräte, die es für das Herstellen von Seilen benötigte, gelangten später in den Besitz des Ortsmuseums.

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1999 wurde die von Hans Gruber restaurierte Seilerei-Einrichtung im Rahmen einer Ausstellung im Ortsmuseum aufgestellt und vielen Interessierten gezeigt, wie aus Langhanf sogenannte Litzen und daraus Seile entstehen.

Im Oktober 1996 wurde die Liegenschaft abgerissen.
An deren Stelle errichtete man ein Vierfamilienhaus (Stetterstrasse Nr. 32),
das im Herbst 1997 bezogen werden konnte. Den Neubau s. unter Bild-Nr.
01029

Angaben von Theres Lehmann-Halter

Literatur:
Nüssli Adolf. Der letzte Handseiler feiert den 70. Geburtstag. Reussbote16. 09.1981: s. Bild-Nr. 01027, 01028
Nüssli Benedikt. Ein Stück alt Mellingen ist verschwunden. Reussbote 11. 10.1996.
Nüssli Benedikt. Altes Handwerk lebt wieder auf. Reussbote 9.3.1999



Bild-Nr.: 01025.0
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Therese Lehmann-Halter / Reussbote
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

1973

Karl Halter, der Seiler

Karl Halter auf dem Markt
Vater Karl Seiler präsentiert auf einem Markt eines seiner begehrten Seile. Siehe auch die bebilderten Texte auf den Tafeln 1 und 2 unter dem Thema „Einer der letzten Handseiler“, s. Bild-Nrn. 01027 und 01028.


Bild-Nr.: 01026
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1981

Kurt Halter, der Seiler Texttafel 2


Karl Halter war der letzte einer bis ins 19. Jahrhundert reichenden Dynastie, welche dieses Handwerk betrieb. Der Artikel ist erschienen im Reussbote am 16.9.1981, s. den ersten Teil dieses Artikels unter Bild-Nr. 01027
Über das Wohnhaus von Karl Halter: s. Bild-Nr. 01025.0

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Bild-Nr.: 01028
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Adolf Nüssli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

16.09.1981

1981 Karl Halter als Seiler Texttafel 1

Karl Halter war der letzte einer bis ins 19. Jahrhundert reichenden Dynastie, welche dieses Handwerk betrieb. Der Artikel ist erschienen im Reussbote am 16.9.1981, s. nachfolgend den zweiten Teil dieses Artikels, s. Bild-Nr. 01028
Über das Wohnhaus von Karl Halter: s. Bild-Nr. 01025.0.


Bild-Nr.: 01027
Bild: Reussbote
Text: Adolf Nüssli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

16.09.1981

1996 Bauernliegenschaft Karl Halter, Stetterstrasse

Bauernliegenschaft von Karl Halter (1911-1982), kurz vor dem Abbruch im Oktober 1996.
Weitere Angaben unter --> s.Bild-Nr. 01025.0
An deren Stelle wurde das Mehrfamilienhaus Stetterstrasse 32 gebaut:
--> s. Bild-Nr. 01029


Bild-Nr.: 01025
Bild: Otto Müller
Text: Theres Lehmann-Halter
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

1996

1997 Neubau Stetterstrasse 32

1997 Neubau Stetterstrasse 32
Es steht an Stelle des 1996 abgerissenen Bauernhofs Karl Halter, s. Bild-Nr. 01029.



Bild-Nr.: 01029.1
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

1997

2005 Bauernbetrieb Franz Peterhans Stetterstrasse 11

Im April 1941 übernahm Josef Peterhans (1912-1999) den Hof von Emil Brand. Am 1. Januar 1979 ging der Hof an Sohn Franz (geb. 1944), der im gleichen Jahr die Gebäude renovierte. 2009 erstellte man gegen Holzrüti zu einen Siedlungshof mit grossem stark automatisiertem Ökonomiegebäude und Zweifamilienhaus, s. darüber Bild-Nr. 01321. 2010 wurde das Vieh in den neuen Stallungen untergebracht. Das neue Wohnhaus bezog man 2011.

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Seither wurde der Wohnteil des Brandhofs vermietet, im Ökonomiebereich waren noch eigene Gerätschaften untergebracht. Auf Ende 2016 verkaufte Franz Peterhans den Brandhof mit 40 a Umschwung. Geplant ist hier eine Überbauung mit vier kleineren Mehrfamilienhäusern.

Mündliche Angaben von Franz Peterhans, ehemaliger Inhaber des Bauernhofs Peterhans


Bild-Nr.: 01052.2
Bild: Viktor Zimmermann
Text: Franz Peterhans / Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 2005

2005 Bauernbetrieb Peterhans Stetterstrasse 11

Angaben darüber s. Bild-Nr. 01052.2


Bild-Nr.: 01052.3
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

2005

2015 2015 Siedlungshof Peterhans, Stetterstrasse 102

2009 erstellte die Familie Peterhans gegen Holzrüti hin einen Siedlungshof mit grossem stark automatisiertem Ökonomiegebäude und Zweifamilienhaus. 2010 wurde das Vieh vom ehehemaligen Bauernhof (s. Bild-Nr. 01052.2) in den neuen Stallungen untergebracht. Das Wohnhaus bezog man 2011.

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Seit 2016 führt Sohn Gregor (geb. 1977) den Betrieb weiter. Der Hof Peterhans ist der einzige Milchwirtschaftsbetrieb in Mellingen. In den Freilaufställen sind zur Zeit (Februar 2017) 42 Milchkühe und 35 Stück Kleinvieh untergebracht. Dank dem Zukauf von Bauern, die ihr Gewerbe aufgaben (Karl Halter, Gebrüder Haller, Meinrad Schneider) konnte der Landbesitz auf 15 ha arrondiert werden. Hinzu kommen 8 1/2 ha Pachtland.
Mündliche Angaben von Franz Peterhans, ehemaliger Inhaber des Bauernhofs Peterhans, und Sohn Gregor Peterhans



Bild-Nr.: 01321
Bild: Viktor Zimmermann
Text: Rainer Stöckli
Copyright: © Viktor Zimmermann

2015

2015 Siedlungshof Peterhans, Stetterstrasse 102

s. Bild-Nr. 01321


Bild-Nr.: 01320
Bild: Viktor Zimmermann
Text: Team Fotoarchiv Mellingen
Copyright: © Viktor Zimmermann

2015