Argovia

Mellingen-Dorf Süd-Ost > Stetterstrasse

1953 Luftaufnahme Argovia


Bild-Nr.: 14121A
Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz/ Frei zum Herunterladen
Text:
Copyright: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz/ Frei zum Herunterladen

3.09.1953

1963 Brand der Argovia am 17. Juli

Möglicherweise durch Blitzschlag brach der Brand morgens um halb vier Uhr im östlichen Teil des grossen Fabrikareals aus.
Viel Rohmaterial und zahlreiche Geflechtsmaschinen wurden ein Raub der Flammen.
Das Feuer breitete sich derart aus, dass auch die Feuerwehr Baden zu Hilfe gerufen werden musste.
Der Schaden an Gebäude, Material und Maschinen betrug ungefähr eine Million Franken.
Weitere Angaben über den Brand s. Bild-Nr. 30242.


Bild-Nr.: 30241
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

17.07.1963

1963 Brand der Argovia am 17. Juli

Zeitungsbericht aus dem "Reussbote":
"Am Donnerstag früh gegen halb vier Uhr kam es zu einer Feuersbrunst in der Argovia, die grosses Ausmass annahm. Das Feuer wurde von einem von Stetten her fahrenden Automobilisten aus Brugg wahrgenommen, der in der Nachbarschaft Alarm schlug.
Als das Feuerwehrpikett auf der Brandstätte eintraf, stand der südöstliche Fabriktrakt des Hauptgebäudes in hellen Flammen.

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Das Feuer fand in Rohmaterial und Maschinen der Geflechtfabrikation reiche Nahrung und breitete sich rapid aus, weshalb es sich als notwendig erwies, die gesamte Feuerwehr zu alarmieren und auch von denjenigen in Baden Hilfe anzufordern.
Die Brandbekämpfung konnte sich jedoch nur noch darauf beschränken, ein Übergreifen des Feuers auf die anderen Fabrikteile zu verhindern.
Das gelang aber nur teilweise, sodass auch ein oberes Stockwerk eines angebauten Gebäude ausbrannte.
Inzwischen stürzten vom Gebäude, in welchem sich der Brandherd befand, zuerst der Dachstock, dann suksessive das dritte, zweite und erste Stockwerk krachend in die Tiefe. Schliesslich wurde das Feuer unter Kontrolle gebracht, und als Herr Probst vom Versicherungsamt in Aarau um halb sechs Uhr eintraf, beurteilte er die Brandbekämpfung als eine sehr gute.
Der an Gebäuden und Maschinen angerichtete Schadensbetrag dürfte nahezu eine Million Franken erreichen.
Rund ein Drittel der 180 Personen betragenden Belegschaft ist nun zum Feiern gezwungen.
Die Brandursache ist nicht abgeklärt, doch Blitzschlag nicht völlig ausgeschlossen.

Nach dem Brand wurden sämtlihe Gebäude wieder aufgebaut, der Trakt gegen Stetten hin praktisch neu errichtet.


Bild-Nr.: 30242
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Reussbote
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

17.07.1963

1963 Brand der Argovia am 17. Juli

Über den Brand s. Bild-Nr. 30242


Bild-Nr.: 30243
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

17.07.1963

1963 Brand der Argovia am 17. Juli

Blick auf die zerstörten Flechtmaschinen.

Über den Brand s. Bild-Nr. 30242


Bild-Nr.: 30244
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

17.07.1963

1967 Gebäude der Argovia AG

Blick vom Sonnenweg auf das Gelände der Argovia AG. Die Fabrik wurde am 18. Juli 1963 Opfer eines Grossbrandes. Hier der danach neu aufgebaute Trakt an der Stetterstrasse und die renovierte Betriebshalle an der Rohrdorferstrasse.


Bild-Nr.: 01050,4
Bild: Jean Frey
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

1967

1967 Gebäude der Argovia AG

Blick vom Sonnenweg auf das Gelände der Argovia AG. Die Fabrik wurde am 18. Juli 1963 Opfer eines Grossbrandes. Hier der danach neu aufgebaute Trakt an der Stetterstrasse und die renovierte Betriebshalle an der Rohrdorferstrasse.


Bild-Nr.: 01050.3
Bild: Jean Frey
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

.04.1967

Vor 1977 Argovia AG

Vor 1977 Argovia AG
Im linken Trakt die Möbel-Firma Mundo, deren Lager beim Grossbrand 1977 völlig zerstört wurde, s. dazu Bild-Nr. 30303.
Rechts die Liegenschaft von Familie Pagano, Stetterstrasse 12


Bild-Nr.: 01050
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1977

Vor 1977 Argovia AG, Stetterstrasse 25

Geflechtfabrik und Geflechtmaschinenfabrik, gegründet 1904 durch Jean Kappeler.
Später hiess die Fabrik Schmid, Kappeler & Co. AG. Diese Firma ging um 1917 in Konkurs.
Die Firma wurde ab 1917 von Jean und Adolf Schmid, von Hägglingen, als Argovia AG weiterbetrieben.
Jean Kappeler baute dann die untere Geflechtfabrik (Stetterstrasse Nr 21): s. Bild-Nr. 01040.1.

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Eine Zeitlang hatte die Argovia auch Zweigbetriebe in Tägerig, Zürich und Florenz.
Später wurden auch Regenmäntel hergestellt. In ihrer Blütezeit beschäftigte die Argovia bis zu 350 Angestellte und war seinerzeit der grösste Industriebetrieb Mellingens.

1972 ging die Argovia AG an die Georges Meyer AG in Wohlen über.
Zwei Jahre später wurde die Produktion eingestellt und die Argovia AG wurde zu einer reinen Immobilienfirma.
1982 wurde der Gebäudekomplex von Victor Bick übernommen. In diesem sind heute zahlreiche Firmen eingemietet.
Die beiden Grossbrände vom 18. Juli 1963 und 30. Dezember 1977 (Brandstiftung) machten grosse Umbauarbeiten nötig.
Derzeit (2017) ist Georges Rayroux, Verwaltungsratspräsident, Mitglied des Verwaltungsrats ist Silvia Bick.

Die Aufnahme muss vor dem Brand 1977 gemacht worden sein.


Bild-Nr.: 01050.1
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1977

1977 Brand der Argovia am 30. Dezember

Über hundert Mann bekämpften diesen Brand – darunter auch die Stützpunktfeuerwehr Baden und die Löschwehr des Tanklagers, welche ihre Löschkanone einsetzte. Wegen sturmartigen Winden breitete sich das Feuer rasend schnell aus. Mit der Zeit standen über ein Dutzend Feuerwehrautos vor Ort.
Verursacht wurde dieser Grossbrand eindeutig durch Brandstiftung; doch konnten der oder die Täter nie gefasst werden.
Vom Schaden betroffen waren acht Firmen, so die Filiale der Altstätter Mundo-Möbel AG, die Gumotex AG (Kinderkleider), Alpha-Geflecht AG (Hüte), Meierhofer AG (Schilderherstellung), Hevo AG (Maschinenfabrik), und die Georg Meyer +Co. AG. Andere Firmen, die noch in diesem riesigen Gebäudekomplex eingemietet sind, blieben vom Feuer verschont oder erlitten nur geringen Schaden.

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Brandursache: Eindeutig Brandstiftung
Ausgelöst worden war der Brand in der ersten Etage und zwar in einem der Möbelausstellungsräume der „Mundo“. Von hier frassen sich die Flammen in die darüberliegenden Geschosse weiter.
In den Räumlichkeiten der Gumotex AG (etwa 30 Angestellte), deren Näherei gänzlich ausbrannte, fand die Polizei eindeutige Beweise für die zuerst nur vermutete Brandstiftung: Leere Plastikkanister, „getränkte“ Möbel und im Lagerraum auch lange, kreuz und quer durch die Räume führende Stoffbahnen. Plastikkanister wurden auch im Mundo-Möbellager sichergestellt. Die Täter, vermutlich war es ein Brandstifterteam, denn eine einzige Person könnte innert nützlicher Frist kaum eine so komplizierte Brandstiftung bewerkstelligen, hatten offenbar nicht mit dem raschen Erfolg der Feuerwehren von Mellingen und Baden gerechnet. Denn diese konnten die zeitweise haushoch aus den Fenstern lodernden Flammen rasch eindämmen und den ganzen hinteren, vor 15 Jahren errichteten Gebäudeteil retten.
Es wurde sehr gut gearbeitet, lobte man auch seitens des Aargauischen Versicherungsamtes die beiden Feuerwehren.
Bild:
Weitläufiger Argovia-Gebäudekomplex: Vom Feuer zerstört wurde das hohe Gebäude in der Mitte. Drei andere, angebaute oder unmittelbar benachbarte anfänglich stark gefährdete Gebäude konnten gerettet werden.
Zeitungsberichte: Reussbote 31.12.1977 und 4.1.1978.


Bild-Nr.: 30300
Bild: Presse-Dokumentation erstellt von Feuerwehrkommandant Josef Gisi
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

30.12.1977

1977 Brand der Argovia am 30. Dezember

Der vom Brand verwüstete Trakt an der Stetterstrassse.

Weitere Angaben s. Bild-Nr. 30300


Bild-Nr.: 30301
Bild: Presse-Dokumentation erstellt von Feuerwehrkommandant Josef Gisi
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

30.12.1977

1977 Brand der Argovia am 30. Dezember

Angaben zum Brand s. Bild-Nr. 30300


Bild-Nr.: 30302
Bild: Presse-Dokumentation erstellt von Feuerwehrkommandant Josef Gisi
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

30.12.1977

1977 Brand der Argovia am 30. Dezember

Glühende Hitze: Die Näherei der Firma Gumotex AG brannte gänzlich aus. Ein Teil des Flachdachs stürzte ein. In der glühenden Hitze bogen sich die Stahlträger wie dünne Drähte.

Weitere Angaben zum Brand s. Bild-Nr. 30300


Bild-Nr.: 30303
Bild: Presse-Dokumentation erstellt von Feuerwehrkommandant Josef Gisi
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

30.12.1977

Helene Rymann (1905-2001): Nachruf

Mit dem Heimgang von Helene Rymann ist ein Stück Geschichte der Freiämter Strohgeschichte in die Vergangenheit eingegangen.

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Helene Rymann erblickte das Licht der Welt am 21. April 1905 als Tochter des Albert und der Albertine Rymann-Bitterli im heutigen Rathaus in Mellingen. Ihr Vater übernahm 1903 die Druckerei Reussbote vom bisherigen Inhaber Otto Wanner, Baden (Grossvater vom heutigen Verleger Peter Wanner). Die Druckerei befand sich im obersten Raum des Rathauses, wo ehemals die Schule untergebracht war. Der spätere Verleger Albert Nüssli absolvierte bei Albert Rymann die Lehre als Schriftsetzer.
Politische Wirren zwischen Konservativen und Liberalen in Mellingen gruben das Grab für die Existenz Rymanns. Am 7. Dezember 1911 verabschiedete er sich von Mellingen und trennte sich zugleich von seiner Familie. Helene Rymann war damals erst 6 Jahre alt und litt zeitlebens unter ihrer vaterlosen Jugendzeit. Fortan musste die Mutter mit Heimarbeit hart um die Existenz kämpfen. Helene Rymann war eine überaus intelligente Schülerin. Ein Bruder ihrer Mutter ermöglichte ihr den Besuch der Höheren Handelsschule in Neuenburg. Ihre erste Stelle fand sie beim Zürcher Gesundheitsamt. Doch schon nach einem Jahr holte sie die Direktion der Geflechtsfabrik Argovia AG in Mellingen als Sekretärin in ihren grossen Betrieb mit Filialen in Florenz und Tägerig. Damals war die Hochblüte der Freiämter Stroh- und Geflechtsindustrie. Strohhüte und Geflechte wurden auch ins Ausland, vorab nach Amerika und Australien exportiert. Die Argovia bot Verdienstmöglichkeiten nicht nur für das Städtchen Mellingen, sondern für alle umliegenden Dörfer. Besonders im Winter, in der Hauptsaison, fanden die daheim arbeitenden Bauerntöchter willkommenen Verdienst- und auch Heimarbeit als Flechterinnen. Dann kam die hutlose Mode . und damit der Niedergang der Geflechtindustrie. Davon waren auch die Argovia und die Geflechtfabrik Jean Kappeler betroffen. In die freiwerdenden Lokalitäten der Argovia zog die Zürcher Firma Krause und Engler mit ihrer Regenmantelfabrikation und bot neue Arbeitsplätze. Helene Rymann war die "rechte Hand" der jeweiligen Direktoren Jean Schmid, Emil Staubli, dann der Wohler Herren Wildi und Bizai. Alle konnten sich auf sie verlassen - immer hatte sie den genauen Überblick in allen Abteilungen. Sie arbeitete vorab als Hauptverantwortliche in der Lohn- und Buchhaltungsabteilung, später zusätzlich auch in der Bemusterung der Kollektionen. Bei ihr gab es erst Feierabend, wenn alles stimmte, oft erst spät nachts. Helene Rymann besass ein sehr ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein bis in ihr hohes Alter. Als dann die Wohler Firma Georges Meyer & Co. AG den Betrieb der Argovia in reduzierter Grösse übernahm, hielt Helene Rymann auch der neuen Direktion die Treue, als diese Firma innert kurzer Zeit ihre grossen Bemühungen um die Geflechtindustrie aufgeben musste und heute noch als Alpha Geflechte AG präsent ist, vermietete die Argovia ihre freien Räume an verschiedene Firmen. Während mehr als 75 Jahren harrte Helene Rymann mit eisernem Willen in ihrem Bureau aus, führte darin ein etwas einsames Leben, das belebt und verschönert wurde durch ihren treuen Nymphensittich "Bobby". Erst mit 94 Jahren zog sie sich von ihrer dortigen Arbeit zurück, weil das Augenlicht abnahm und die Beine auch nicht mehr den langen Weg von ihrer Wohnung an der Bruggerstrasse 17 bis hinauf zur Argovia schaffen konnten. Einen letzten Höhepunkt in ihrem langen Wirken durfte sie anlässlich der 100-Jahr-Feier des "Reussbote" am 12. Juni 1998 erleben, wo sie als Tochter des einstigen Verlegers Rymann geehrt wurde. Zeitlebens blieb sie dem "Reussbote" mit viel Interesse eng verbunden. Neben ihren grossen Verpflichtungen und geschäftlichen Belastungen fand sie noch Zeit, den Ingebohler Schwestern das Finanzwesen des Altersheimes Mellingen ohne Entschädigung zu betreuen. Auch hat sie in früheren Jahren alle Sekretariatsarbeiten der Katholischen Kirchgemeinde unentgeltlich erledigt. Während Jahrzehnten war sie ein eifriges Mitglied des Katholischen Kirchenchores und der Theatergesellschaft. Im stillen hat sie auch vielen, vorab italienischen Arbeiterfamilien in ihren Anfangsschwierigkeiten geholfen. Nach einem Sturz in der Wohnung wurde ein Spitalaufenthalt und anschliessend die Übersiedlung in das Pflegezentrum "Reusspark" nötig. In den zwar alten, aber heimeligen Räumen der Pflegeabteilung im dazugehörigen Kloster Gnadenthal fand sie verständnisvolle Betreuung mitsamt ihrem Nymphensittich "Bobby". Vor einem Jahr musste ihr im Kantonsspital Aarau ein Bein amputiert werden. Es bedeutete für Helene Rymann eine schwere Lebenskrise. Mit ihrem sprichwörtlichen Lebenswillen entschloss sie sich noch für eine Beinprothese mit vielen strengen Therapien, in der festen Hoffnung, nochmals in ihre Wohnung heimkehren zu können. Immer wieder fand sie Kraft und Trost für ihre Sorgen und Probleme in der kleinen Klosterkirche. Mitte August - nach der grossen Hitze - nahmen ihre Kräfte plötzlich ab und sie spürte ihr nahes Ende. Liebevoll umsorgt vom Pflegepersonal durfte sie in den frühen Morgenstunden des 8. Septembers 2001 Abschied nehmen von dieser Welt. Auf dem Friedhof ihrer Heimatgemeinde Oberrohrdorf wünschte sie einen letzten Ruheplatz zu finden. (an)


Bild-Nr.:
Bild: Reussbote 2001
Text: Anna Nüssli
Copyright: Reussbote

5.10.2001