gefrorene Reuss 1929 und 1956

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15.2.1929 Die Reuss ist gefroren

Es war im brutalen Kältewinter 1929. Mitte Februar brachte er das Jahrhundertereignis. Die Reuss war auf ihrer ganzen Länge mit einer dicken, tragfähigen Eisschicht bedeckt. Sie liess nicht lange auf sich warten. Vergnügt und in hellen Scharen stellte sich die wintersportfreudige Bevölkerung ein, jung und alt, vor allem Schlittschuhfahrer, aber auch Langläufer, "Schlittler", Spaziergänger und Wanderer. Sie freuten sich an der winterlichen Pracht, die aber auch viele Widerwärtigkeiten brachte. Im Bereich des Städtchens wurden Verpflegungsstände aufgebaut, die gebratene Würste, Brot und heissen Tee offerierten. In der brutalen Kälte war winterliches Vergnügen in vollem Gange.
Aufnahme: Blick von der Eisenbahnbrücke in Richtung Birrhard- Birmenstorf

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Der Marronibrötler
Dem Artikel vom 5. Januar 2021im Reussbote-> «Als die Reuss zu einem langen Eisfeld wurde» ist noch folgende amüsante Reminiszenz
beizufügen. Erzählt hatte diese Anekdote der Vater von Rainer Stöckli, Dr. Leo Stöckli, der 1921 – also vor genau 100 Jahren – als Nachfolger von
Dr. A. Meyer, an der Hauptgasse 2, seine Arztpraxis eröffnete.
Als 1929 die Reuss zufror, entwickelte sich in Mellingen auf dem Fluss eine Art Volksfest.
Selbst ein Marronibrötler stellte seinen Kessel auf das Eis und verkaufte die warmen Köstlichkeiten. Doch da das Eis unter dem Ofen mit der Zeit
schmolz, rutschte dieser in die darunter fliessenden kalten Fluten. So wurde dem Marronibrötler das Geschäft arg vermiest. Ob der Kessel gerettet
werden konnte, ist nicht bekannt.
Rainer Stöckli


Bild-Nr.: 18020
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Otto Müller/Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

15.02.1929

17.2.1929 Rüssgfrörni - Dir gefrorene Reuss

Jung und Alt tummeln sich mit Hut, Mütze und Mantel auf dem Eis in Mellingen beim Gruemet, oberhalb der Eisenbahnbrücke.
Grimmig kalt war es vor fast 100 Jahren und die Reuss kam unerwartet zu einer Eisschicht.
«Am Sonntag, 17. Februar 1929 war die Reuss bei Bremgarten so weit zugefroren, dass zahlreiche Personen ungefährdet vom Stauwerk Emaus bis nach Rottenschwil von einem Ufer zum anderen wechseln konnten», schreibt der Historiker Patrick Zehnder in seinem Beitrag.
Messungen hatten damals eine Eisdicke von 60 bis 80 Zentimeter ergeben. Und der «Bremgarter Volksfreund» schreibt dazu am 20. Februar 1929: «Es war wie ein Märchen, dass die Reuss zufrieren könnte. In diesem Winter ist das Ereignis nun eingetreten.» In der Schweiz waren viele Seen zugefroren und nun über weite Strecken also auch die Reuss, wie das historischen Foto oben zeigt.

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Die Wetterlage war im Winter 1929 extrem. Es war grimmig kalt. Stämme von Platanen zerrissen in der Kälte mit einem pistolenähnlichen Knall; bei der Rottenschwiler Brücke schien der Eisgang derart bedrohlich, dass Beobachter um die Brücke fürchteten – einen Meter höher und sie wäre beschädigt worden; Turbinen von Elektrizitätswerken froren ein; die Heizmittel wurden so knapp, dass die Ärmsten eine «Kältebeihilfe» erhielten, um Holz und Kohle kaufen zu können.
Und aus dien Annalen der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt von 1929 geht hervor, dass der kalte Januar und der noch strengere Februar in der Witterungsgeschichte vergleichbare Werte suchen würden. Ein kontinentales Kaltlufthoch mit Kern über Finnland hatte zur aussergewöhnlichen Wetterlage im Februar geführt und in der Schweiz schliesslich die tiefsten Temperaturen zwischen dem 11. und 15. Februar verursacht.
Der Birmenstorfer Historiker zitiert aus dem Brugger Volksblatt vom 15. Februar 1929: «Jeder wollte das seltene Ereignis, die zugefrorene Reuss überquert zu haben, miterleben. Wenn auch die Festigkeit des Eises noch nicht überall einwandfrei ist, so machte doch die Jugend flussauf- und abwärts ihre kilometerlangen Märsche. Wenn auch ab und zu einer auf einer etwas brüchigen Stelle einen Schuh des kalten Bades herauszog, so liessen sie sich nicht entmutigen.»

Patrick Zehnder erzählt in den Bremgarter Neujahrsblättern 2021
Aufnahme: im Gruemet, oberhalb der Eisenbahnbrücke.


Bild-Nr.: 18021
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Patrick Zehnder, Heidi Hess (Reussbote),
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

17.02.1929

Spaziergang auf der Reuss

Am 20. Februar 1929 werden bei der Fabrikanlage in Windisch Eisspreng-Arbeiten vorgenommen, um den Betrieb aufrechterhalten zu können, und grössere Schädigungen an den Triebanlagen zu verhüten. Als Folge davon ist bei Mellingen die Eisdecke der Reuss geborsten. Eisplatten von 10 bis 20 Quadratmeter Fläche lösen sich unter donnerähnlichem Krachen los und treiben die Reuss hinunter. Während man am 19. Februar unterhalb der Eisenbahnbrücke den zugefrorenen Fluss noch überschritt, haben sich am 21. Februar die Fluten bereits freien Lauf geschaffen.
Hornung 1929 RB

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Der Monat Februar (1929) zeichnet sich aus durch ungewöhnlich tiefe Temperaturen. Am 12. Februar, einem Dienstag, wurden -28° vom Thermometer abgelesen; in Rohrdorf z.B. sollen es sogar -30° gewesen sein. Die Reuss, die starkes Treibeis führt, beginnt bei Windisch zu überfrieren; bis Donnerstag trägt sie bis nahe an die Mellinger Säge herauf in ganzer Breite eine 20cm dicke Eisschicht, auf der man flussab- und -aufwärts beliebige Spaziergänge unternehmen kann.


Bild-Nr.: 18022
Bild:
Text: Reussbote Hornung 1929
Copyright:

20.02.1929

1956 Eis in der Reuss


Bild-Nr.: 18040
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text:
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

1956