Fabrikantenvilla Rohr / Kartonagefabrik

Mellingen-Dorf Süd-Ost > Zentralplatz

An Stelle des Wohn- und Geschäftshauses Zentralplatz 2 stand früher die schmucke Fabrikantenvilla Rohr mit einem prächtigen Garten und einem Springbrunnen auf der Reussseite. Dieses Gebäude mit der behäbigen Giebelründe, welches zusammen mit der alten Post (heute Kantonalbank) den Zentralplatz harmonisch einrahmte, musste 1966 zusammen mit dem alten Mellinger Schützenhaus, dem wenig stilvollen Neubau weichen. (Aus der Schrift "Rund um Mellingen" von Dr. Rainer Stöckli)

Fabrikantenvilla Rohr, Zentralplatz, ca. 1950

In diesem Haus mit Rundgiebel und Krüppelwalmdach wohnte bis zu seinem Tod 1918 der Arzt und Stadtammann Peter Hümbelin.
Später übernahm die Fabrikantenfamilie Rohr dieses Haus. So bewohnte seit 1945 Hans Rohr, der letzte der Fabrikantendynastie, dieses Haus.
Neben dem Haus dehnte sich zur Reuss hin ein hübscher Ziergarten mit Springbrunnen aus. Über den Abbruch der Villa s. Bild-Nr. 01006.4.2
Über die Firma Rohr und die Nutzung der Fabrikgebäude nach der Ära Rohr s. Bild-Nr. 01006

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An der Stelle der Fabrikantenvilla Rohr steht seit 1966 das Geschäfts- und Mehrfamilienhaus Zentralplatz 2: s. Bild-Nr. 01015.5.


Bild-Nr.: 01003
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team Mellingen
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1950

1. August 1953 Brand der Kartonnagefabrik Rohr

Rainer Stöckli schreibt in seiner Schrift „Rund um Mellingen“:
Am Abend des 1. August 1953 wurde die „Bruggmühle“ ein Raub der Flammen.
Viele Mellinger erinnern sich noch heute an dieses grösste Erstaugustfeuer aller Zeiten.
Trotz vielen Bemühungen konnte vom Brand oder von der Brandruine kein Bild ausfindig gemacht werden.

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Zeitungsbericht:
Am Samstagabend unmittelbar nach Beendigung der Bundesfeier brach in der Kartonagefabrik Rohr & Cie. Feuer aus. Da der Brand in dem jahrhundertalten dreistöckigen ehemaligen Mühlengebäude, das bis in den Estrich hinauf mit Papierwaren angefüllt war, rapid um sich griff, musste neben dem Pikett die gesamte Feuerwehr aufgeboten und die Motorspritze eingesetzt werden. Durch das Eingreifen von Drittpersonen, das ja gutgemeint sein mochte, wurden die Dispositionen des Feuerwehrkommandos sehr erschwert, überdies war es äusserst schwierig, die Geräte und einzelnen Löschzüge in die richtige Position zu bringen, da die Zugänge zum Brandobjekt durch eine vieltausenköpfige Menschenmenge, welche zu einem grossen Teil mit Autos und Motorrädern herbeigeeilt war, regelrecht verstopft wurden. So war es nicht zu verhindern, dass der Dachstock, der dritte und der zweite Stock ausbrannten, während das Wasser die Räume im Erdgeschoss ruinierte. Durch die Anstrengungen der Feuerwehr gelang es wenigstens, das neuere Gebäude der Lithographie, dasjemige mit den Büroräumen und das alte Schützenhaus, in welchem das Benzin lagert, vor dem Übergreifen des Feuers zu bewahren. Die Feuerwehr musste den ganzen Sonntag über in Bereitschaft gehalten werden, da immer wieder einzelne Brandherde aufloderten. Der Schaden an Gebäulichkeiten, Maschinen, Papier- und Kartonvorräten, Halb- und Fertigfabrikaten dürfte weit über 100 00 Franken betragen.
Die Brandursache ist noch nicht abgeklärt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass abgebranntes Feuerwerk daran die Schuld trägt.


Bild-Nr.: 30210
Bild: Zeitungsbericht
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

1.08.1953

Herbst 1953 - Abbruch der Brandruinen

Aufnahmestandort: altes Schützenhaus, am linken Bildrand erkennt man das Dach der Rohr-Villa.


Bild-Nr.: 01002.9b
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

.09.1953

3.9.1953 Flugbild mit Brandruine

Flugbildausschnitt
Gut einen Monat nach dem Brand in der Kartonnagefabrik wurde von Werner Friedli diese Flugaufnahme gemacht.


Bild-Nr.: 14140.2
Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / LBS_H1-015715 Ausschnitt
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

3.09.1953

Um 1960 Kartonagefabrik / Villa Rohr

Geschichte der Kartonagefabrik und Lithographie Rohr --> links neben der Villa Rohr nur zu kleinem Teil sichtbar.
1894 Hermann Rohr erwirbt das Gebäude der alten „Bruggmühle“, die schon 1253 urkundlich erwähnt wird.
Er richtet darin eine Kartonagefabrik und eine Lithographie ein. Hermann Rohr lebte an der Lenzburgerstrasse („Vizeamme-Rohr-Haus“) und war in der Gemeinde über viele Jahre als Vizeammann tätig.
1896 Eintritt von Adolf Gehrig ins Geschäft. Er ist der Schwager von Hermann Rohr. Firmenbezeichnung „Gehrig und Rohr“

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1905 Adolf Gehrigs Bruder Walter tritt ins Geschäft ein. Neuer Firmenname „Gehrig & Cie“. Die Kombination von Kartonagefabrik und Lithografie erwies sich als sehr erfolgversprechende Kombination.
1924 Die beiden Herren Gehrig treten altersbedingt zurück. Hermann Rohr führt das Geschäft noch über zwei weitere Jahrzehnte allein weiter.
1945 Hermann übergibt das Geschäft an seine Söhne Hans und Walter; Firmenname „Rohr & Cie“.
1952 Vermerk in der Schrift zur Schweizerwoche „Mellingen lernt seine Industrie kennen“, von Vater Albert Nüssli: „ Unser aller Wunsch ist es, dass die Firma Rohr auch weiterhin, selbst im Konkurrenzkampf, der sich bemerkbar macht, ihre Existenz behaupten kann“.
1964 Verkauf der Kartonagefabrik und der Lithographie an die Herren Klüber und Koller zur Einrichtung einer Lederwarenfabrik „Klüber & Co, AG“.
Ab 1964 existieren 2 Firmen nebeneinander, die Lederwarenfabrik und eine Feinkartonagefabrik, verbunden mit einer Offsetdruckerei unter der Führung von Jakob Rümmeli. Die alte Kartonagefabrik und die Lithographie gehen ein.
1966 Abbruch der Villa Rohr mit der „Bernerründe“ und dem Krüppelwalm und des alten Schützenhauses. An deren Stelle entsteht ein grosser Wohnblock mit einem COOP-Laden im Erdgeschoss, später Wullehuus, dann Kleidergeschäft und darauf weitere Verkaufsgeschäfte, Zentralplatz 2.
1980 Klüber und Koller liquidieren ihre Fabrikbetriebe am Zentralplatz. Es entstehen dort der zweite Mellingersitz der Hypothekarbank Lenzburg (von 1983-2012), Zentralplatz 2b, und das COOP-Selbstbedienungsgeschäft ( Eröffnung 1982), Zentralplatz 2a.
Bild: Abbruch der Fabrikantenvilla Rohr im Jahre 1965. Im Zimmer rechts neben dem Eingang befand sich ehemals die Arztpraxis von Dr. med. Peter Hümbelin, Stadtammann, der bis 1918 in diesem Haus praktizierte.


Bild-Nr.: 01004
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1960

1966 Blick durch das Brückentor auf die Villa Rohr

Blick durch das Brückentor auf die Villa Rohr, die 1966 abgebrochen wurde, s. Bild-Nr. 01006.4.2


Bild-Nr.: 01006.4.3
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

1966

1966 Fabrikantenvilla Rohr, Zentralplatz, Abriss

1966 Villa Rohr (s. Bild-Nr. 01003), kurz vor dem Abbruch
An deren Stelle entstand das Geschäfts- und Wohnhaus Zentralplatz Nr. 2 (s. Bild-Nr. 01015.5).
Die Profilstangen des neuen Wohn- und Geschäftshauses Zentralplatz 2 stehen schon.


Bild-Nr.: 01006.4.1
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Team Fotoarchiv
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

1966

1966 Abbruch der Villa Rohr

Gleichzeitig wurde auch das alte Schützenhaus (Bild-Nr. 01007) abgerissen.
Anstelle dieser Gebäude entstand das Wohn- und Geschäftshaus Zentralplatz 2: s. Bild Nr. 01015.5.
Im Geschäftslokal war anfänglich der COOP-Laden untergebracht.
Weitere Angaben Bild-Nr. 01003.


Bild-Nr.: 01006.4.2
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Team Fotoarchiv
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

1966

Villa Rohr vor dem Abriss 1966

Zum vorliegenden Bild vernehmen wir in der Schrift „Rund um Mellingen“ von Rainer Stöckli:
„An Stelle des Wohn- und Geschäftshauses Zentralplatz 2 stand früher die schmucke Fabrikantenvilla Rohr mit einem prächtigen Garten und einem Springbrunnen auf der Reussseite. Dieses Gebäude mit der behäbigen Giebelründe, welches zusammen mit der alten Post (neben Gasthaus Güggel) den Zentralplatz harmonisch einrahmte, musste 1966 zusammen mit dem alten Mellinger Schützenhaus, dem wenig stilvollen Neubau, einem Wohn- und Geschäftshaus (Haus Zentralplatz 2) weichen."


Bild-Nr.: 01005
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1966

vor 1981 Kartonagefabrik

Das Gebäude rechts wurde 1981 abgerissen und im folgenden Jahr ein Neubau erstellt (Zentralplatz 2b). Das hier abgebildete Gebäude gehörte einst zur Kartonagefabrik Rohr, s. über die Firmengeschichte in Zusammenhang mit dieser Liegenschaft Bild-Nr. 01006.
Im Gebäude links war bis 1984 die Raiffeisenbank untergebracht, bevor diese dann in ihren Neubau an der Bahnhofstrasse 4 umzog.


Bild-Nr.: 01006.2
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1980

ca. 1980 Gelände der ehemaligen Kartonagefabrik Rohr

Gelände der ehemaligen Kartonagefabrik Rohr, dannzumal (1980) Firma Klüber.
Im Hintergrund das Notter Roselihus und rechts davon das Haus Moos (Stetterstrasse 13). Bereits stehen Profilstangen, die auf den Bau des Mehrfamilienhauses Stetterstrasse 6 hinweisen. Diesem Neubau musste das Notter Roselihus weichen.


Bild-Nr.: 01006.6
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1980

Kartonagefabrik Rohr, Zentralplatz 2b, ca. 1980

Das hier abgebildete Gebäude (Zentralplatz 2b) wurde später errichtet als der weiter hinten gelegene Baukomplex Zentralplatz Nr. 2a (umgebaute ehemalige Bruggmühle), der auch zur Firma Rohr gehörte. Anstelle des auf diesem Foto wiedergegebenen Gebäudes wurde 1981/83 ein Neubau errichtet (Zentralplatz Nr. 2b): s. Bild-Nr. 01056. Das Foto stammt aus der Zeit, als um 1980 das Gebäude Zentralplatz Nr. 2a zum COOP-Laden umgebaut wurde.

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Firmengeschichte:
1894 Hermann Rohr erwirbt das Gebäude der alten „Bruggmühle“, die schon
1253 urkundlich erwähnt wird. Er richtet darin eine
Kartonagefabrik und ein Lithographiebetrieb ein.
Hermann Rohr lebte an der Lenzburgerstrasse Nr. 7 („Vizeamme-Rohr-
Haus“) und war in der Gemeinde über viele Jahre als
Vizeammann tätig.
1896 Eintritt von Adolf Gehrig ins Geschäft. Er ist der Schwager von Hermann
Rohr. Firmenbezeichnung „Gehrig und Rohr“.
1905 Adolf Gehrigs Bruder Walter tritt ins Geschäft ein.
Neuer Firmenname „Gehrig & Cie“: Die Geschäftskombination Kartonage
und Lithographie erweist sich als glückliche Verbindung.
Das Geschäft erlebt einen mächtigen Aufschwung.
1924 Die beiden Herren Gehrig treten altersbedingt zurück. Hermann Rohr führt
das Geschäft noch über zwei weitere Jahrzehnte allein weiter.
1945 Hermann übergibt das Geschäft an seine Söhne Hans und Walter,
Firmenname „Rohr & Cie“
1953 Am Abend des 1. August wurde die Kartonagefabrik Rohr ein Raub der
Flammen. Viele Mellinger erinnern sich noch heute an dieses grösste 1.-
Augustfeuer aller Zeiten. Wiederaufbau des Gebäudes (Zentralplatz 2a).
1964 Verkauf der Kartonagefabrik und der Lithographie an die Herren Klüber
und Koller zur Einrichtung einer Lederwarenfabrik
Firmenname: „Klüber & Co AG“.
Ab 1964 existieren 2 Firmen nebeneinander, die Lederwarenfabrik und
eine Feinkartonagefabrik, verbunden mit einer Offsetdruckerei unter der
Führung von Jakob Rümmeli. Die alte Kartonagefabrik und die Lithographie
gehen ein.
1966 Abbruch der Villa Rohr mit der „Bernerründe“ und dem Krüppelwalm und
des alten Schützenhauses.
An deren Stelle entsteht ein grosser Wohnblock mit einem COOP-Laden im
Erdgeschoss, Zentralplatz Nr. 2, s. Bild-Nr. 01015.5.
Später (ab 1982) Wullehuus und darauf verschiedene sich folgende
Geschäftszweige.
1980 Klüber und Koller liquidieren ihre Fabrikbetriebe am Zentralplatz.
Im Gebäude 2a entsteht das COOP-Center (1982 eröffnet) mit
angegliederter Autoeinstellhalle. (2009 zieht die COOP in sein neues
Center an der Birrfeldstrasse.)
Gebäude 2b wird von der Hypothekarbank Lenzburg gekauft und
1981abgerissen.
1983 wird der Neubau fertiggestellt. Es werden darin zeitweise (d.h. von
1983-2012) eine zweite Schalterhalle der HBL mit Büroräumlichkeiten für
das Bankpersonal sowie mehrere Wohnungen eingerichtet. Zum Schutz der
Fussgänger wurde entlang der Stetterstrasse eine Arkade gebaut.
Seit 2004 sind hier auch die Büros des Regionalen Zivilstandsamtes
Mellingen untergebracht. Foto des Neubaus s. Bild-Nr. 01056.


Bild-Nr.: 01006
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Fotoarchiv-Team Mellingen
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1980

ca. 1981 Gelände der ehemaligen Kartonagefabrik Rohr

Gelände der ehemaligen Kartonagefabrik Rohr, dannzumal (1981) Firma Klüber.
Bereits liegt auf dem Gelände der Kran für den Neubau des Mehrfamilienhauses Stetterstrasse 6. Im Hintergrund jenseits der Reuss das 1968 bezogene Altersheim und rechts davon der Iberg.


Bild-Nr.: 01006.7
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1981

ca. 1981 ehemalige Kartonagefabrik Rohr

Rechts ehemalige Kartonagefabrik Rohr, dannzumal Firma Klüber. Dieses Gebäude wurde 1982 zum Coop-Laden umgebaut. In der Mitte sehen wir bereits eine Profilstange, welche auf den damals geplanten Neubau Stetterstrasse 6 hinweist.


Bild-Nr.: 01006.5
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen

ca. 1981